Es ist aus der Geschichte bekannt, dass in der Vergangenheit Leben und Kultur dort geschaffen wurden, wo das Herrenhaus stand. Die längst vergessenen Herrenhäuser werden heute wieder zu einem kulturellen Hügel. Der Geist von Kunst, Musik, Ästhetik und Weisheit kehrt an diese Orte zurück. Viele Herrenhäuser erinnern sich an das kulturelle Leben in den Spuren ihrer Geschichte, das durch die Übernahme der fortschrittlichsten Technologien und Praktiken verschiedener Länder geschaffen wurde. All dies kann man noch heute sehen, wenn man die bezaubernden litauischen Herrenhäuser besucht. Das Versailles von Samogitia, das durch die gemeinsamen Bemühungen litauischer und deutscher Architekten erbaut wurde, und Ilsenberg, den der Ritter Berndt von Kersenbrock aus Liebe zu Ilse geschafft hat, überraschen auf einer abenteuerlichen Reise durch das Land der architektonischen Meisterwerke und der bezaubernden Natur.

Der Präsident des litauischen Verbandes der Herrenhäuser und Burgen Gintaras Karosas erklärt, wie man eine aufregende Reise und die Freude der Entdeckungen gleich nebenan erlebt.

„Wenn Sie den Charme Litauens weiter von den großen Städten entfernt entdeckt möchten, gelangen Sie unweigerlich in die Umgebungen, in den alte Herrenhäuser und Schlossen erwachen“, sagt Gintaras Karosas.

Die litauischen Herrenhäuser befinden sich in einer bezaubernden Zuflucht der Natur abseits der Unruhe der Städte und werden von ihrer Architektur angezogen, wo Sie Meisterwerke von Stilen finden, die zu verschiedenen Zeiten aus ganz Europa entstanden sind. Touristen aus europäischen Ländern entdecken in Litauen auch die Striche ihrer Geschichte, die im Innen- und Außenbereich sowie in den Geschichten der Herrenhäuser erhalten geblieben sind.

In ihrem goldenen Zeitalter übernahmen die Herrenhäuser Tendenzen der europäischen Architektur und Kunst, des verschiedenen Handwerks, der Wissenschaft und der neuesten Technologien, der Industrie und des Gartenbaus, der Parkplanung, der neuesten Industriesysteme und ihrer Technologien.  Die bekanntesten Architekten, Maler, Komponisten und Schriftsteller entstanden aus dem kulturellen Umfeld der Herrenhäuser und sie ließen sich hier inspirieren und thematisieren.

Litauisches Versailles: Gehöft des Herrenhauses in Plungė (lit. Plungės dvaras)

Dieses Herrenhaus gehörte der Familie Oginski, die große Ambitionen hatte. Wie es damals in den größten Herrenhäusern Europas beliebt war, Bogdan Oginski gründete, finanzierte und unterhielt ein Herrenhausorchester mit 60 Personen. Das Orchester spielte während seiner Aufführungen die Werke von J. Haydn, W. A. Mozart, J. S. Bach.

Viele der bis heute erhaltenen Gebäude des Plungė-Herrenhauses wurden 1873 auf Initiative des Grafen Michael Oginski erbaut. Nach dem Projekt des deutschen Architekten Karl Lorens wurde ein zweistöckiges Schloss im Neorenaissancestil gebaut und ein Park entworfen.  Es wurde auch 1879 ein Gestütsgebäude im neugotischen Stil gebaut. Das Gebiet des Herrenhauses ist mit Toren im Renaissancestil geschmückt.

Noch heute fasziniert das Gehöft des Herrenhauses in Plungė mit seinem Herrenhausensemble und dem mysteriösen Park, der es umgibt. Die Residenz des Herrenhauses wurde von Michael Oginski zusammen mit dem deutschen Architekten Karl Lorens geschaffen. Beim Bau dieses komplexes ließen sie sich vom kulturellen Standard der Herrenhäuser, nämlich dem Meisterwerk des Königs Ludwig XIV. von Frankreich Versailles inspirieren. Bei der Besichtigung des Palastes von Herzog Michael Oginski haben Sie also das Gefühl, für kurze Zeit nach Frankreich gezogen zu sein. Nicht umsonst wird der Palast auch Versailles von Litauen oder Samogitia genannt.

Heute befindet sich im Palast von Michael Oginski das Museum für samogitische Kunst, wo Sie eingeladen sind, das restaurierte Innere des Palastes und Ausstellungen von Künstlerwerken zu besichtigen.

Herrenhaus Hugo Scheu (lit. Hugo Šojaus dvaras)

In dem Küstenstädchen Šilutė, umgeben von friedlicher Natur, befindet sich das Herrenhaus Hugo Scheu.  Es ist der einzige erhaltene ostpreußische Herrenhauskomplex, ein elegantes architektonisches Werk des Spätklassizismus. Rund um das Herrenhaus befindet sich ein Park im englischen Stil. Das Herrenhaus beherbergt eine exklusive Sammlung von Gemälden aus dem 18. Jahrhundert, die das Herrenhaus während seiner Blütezeit schmückten.

Herrenhaus und Freilichtmuseum in Liubavas (lit. Liubavo dvaras)

Wie das Versailles von Samogitia verfügte auch Herrenhaus in Liubavas über ein eigenes, vollständig erhaltenes Orchester, das in einem großen, kunstvollen Barocktorkomplex untergebracht war.  Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde hier ein Gestüt errichtet und eine moderne Wassermühle gebaut.

Laut Inventar aus 18. Jahrhundert ist zu sehen, dass das Herrenhaus bereits aus 20 Gebäude bestand: eine zweite Mühle befand sich im Bau, es gab eine Brauerei, früher als Bravoras bekannt, war ein Schatzhaus, eine Bäckerei. Herrenhaus in Liubavas, das in der Nähe von der Hauptstadt Litauens Vilnius sich befindet, ist derzeit für Besucher geöffnet. Im Jahr 2013 wurde im Herrenhaus der deutsche Film Die Kinder des Wolfes gedreht. Dies ist eine Geschichte über deutsche Kinder, auch bekannt als Wolfskinder.

„Wenn Sie Vilnius besuchen, können Sie einen halben Tag in den umliegenden Herrenhäusern verbringen, beispielsweise Herrenhäuser von Liubavas oder Markučiai. Es befindet sich auch der Europapark in der Nähe, in dem Natur- und Kunstliebhaber eine Ruhepause finden. In diesem Park befindet sich Freilichtmuseum, in dem Sie Kunstinstaliationen verschiedener Richtungen sehen können“, sagte der Präsident des litauischen Verbandes der Herrenhäuser und Burgen Gintaras Karosas und stellte fest, dass die Sehenswürdigkeiten leicht mit eigenen oder öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind.

Herrenhaus in Akmena (lit. Akmenos dvaras)

Das Herrenhaus zeichnet sich durch technische Lösungen aus. Im Teich neben dem Hauptgebäude befand sich einst ein Kraftwerk, das zu dieser Zeit eine seltene Errichtung war. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde im Akmena-Herrenhaus eine Hutwindmühle aus Steinmauern im holländischen Stil gebaut, die seit vielen Jahren Mehl in das gesamte Gebiet lieferte. Die vom Landbesitzer Hoppen erbaute Steinmühle war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine der größten in der Region. Das Wohngebäude des Herrenhauses, Fragmente des Parks und der Teiche sowie die restaurierte legendäre Steinmühle sind bis heute erhalten.

Das Versprechen der ewigen Liebe im Herrenhaus von Kretinga (lit. Kretingos dvaras)

Das Kretinga-Herrenhaus begrüßt die Besucher mit 24 erhaltenen Gebäuden des Herrenhauskomplexes und einem gepflegten Herrenhauspark, der mit Skulpturen und Springbrunnen geschmückt ist. Im Park des Herrenhauses befindet sich eine doppelseitige Bank, besser bekannt als Stein der Liebe. Der Legende nach war dieser Stein ein geheimer Treffpunkt zwischen der russischen Kaiserin Katharina II. und dem damaligen Besitzer des Herrenhauses Platon Zubow. Es wird angenommen, dass die Liebende eine lange und starke Liebesgeschichte haben werden, nachdem sie ihre Gefühle in der Nähe des Steins der Liebe offenbart haben. In dem Herrenhaus wurde der Film Anna Karenina im Jahr 2013. gedreht.

Ab dem 19. Jahrhundert ging das Kretinga-Herrenhaus an Graf Juozapas Tiškevičius über, der den Palast wiederaufbaute und einen beeindruckenden Wintergarten errichtete. Im dreistöckigen Wintergarten finden Sie das ganze Jahr über einen Moment der Ruhe, umgeben von viel Grün und frische Luft. Im Garten gibt es mehr als 500 Pflanzenarten.

Zu dieser Zeit war es eines der größten privaten Wintergärten in Europa. Das Herrenhaus zeichnete sich auch dadurch aus, dass es über ein eigenes Wasserkraftwerk und eine Telefonleitung verfügte, die dieses Herrenhaus mit den Herrenhäusern von Plungė und Rietavas verbanden. Es ist eines der wenigen Herrenhäuser, das bis heute fast alle Gebäude oder ihre Fragmente erhalten hat.

Herrenhaus in Bikuškis (lit. Bikuškio dvaras)

In schriftlichen Quellen wurde das Herrenhaus bereits Mitte des 14. Jahrhunderts erwähnt. Im Laufe der Jahrhunderte gehörte es den verschiedenen Besitzern, einschließlich Radvila, Oginski, Prušinskis, Plevakas, Drazdauskas und anderen.  Es wird angenommen, dass das Gehöft eines der wenigen Residenzen des 17. Jahrhunderts war, die mit Mauerwerksgebäuden ausgestattet waren.

Das ehemals wohlhabende Herrenhaus wurde heute zu neuem Leben auferstanden. Im Herrenhaus finden seit vielen Jahren Pleinairmalereien, professionelle Theateraufführungen und Konzerte symphonischer Musik statt. Das Herrenhaus verfügt über eine Kunstgalerie, es wird auch ein Granit-Skulpturenpark gebaut.

Eindrücke von Alexander Puschkin im Herrenhaus von Markučiai (lit. Markučių dvaras)

Das Markučiai-Herrenhaus befindet sich im südöstlichen Teil von Vilnius. Markučiai wurde seit dem Ende des 14. Jahrhunderts erwähnt. Das Herrenhaus gehörte zu verschiedenen Zeiten den Jagiellonen, Radvila, Tiškevičius, Chodkevičius. Die letzten und wahrscheinlich denkwürdigsten Besitzer des Herrenhauses waren jedoch Grigory, der Sohn von Alexander Puschkin, einem der berühmtesten Dichter und Schriftsteller der russischen Romantik, und seine Frau Warwara. Als sich 1906 die letzten Besitzer des Herrenhauses, Warwara Meljnikowa-Puschkina und Grigory Puschkin, im Herrenhaus niederließen, wurde im hügeligen Teil des Parks die Kapelle der Heiligen Barbora des Markučiai-Herrenhauses gebaut. Nach dem Willen von Warwara Meljnikowa-Puschkina wurde das Alexander-Puschkin-Literaturmuseum gegründet.

Architekt der Markučiai-Herrenhauskapelle ist Michail Prozorow, und der Autor der entdeckten Ikonen soll Georgy Molokin sein, ein berühmter Ikonenmaler aus Vilnius an der Wende des 19. und 20. Jahrhundert. Die Ikonen der Markučiai-Kapelle zeigen himmlische Wächter mit den gleichen Vornamen wie die Besitzer des Herrenhauses und ihre Verwandten. Diese Entdeckung ermutigt dazu, zurückzublicken und sich an die Architektur der orthodoxen Kirchen und Kapellen sowie an die Traditionen der Ikonenmalerei in Vilnius zu erinnern.

„Jedes Schloss oder Herrenhaus erzählt eine eigene Legende, und die Landschaft und architektonische Erbe bieten eine einzigartige Gelegenheit, Jahrhunderte zurück zu gehen und den Atem der Aura der Vergangenheit zu spüren“, beendete G. Karosas die Geschichte und wünschte jedem Besucher, der litauische Herrenhäuser besucht, einen Teil seiner Kultur zu entdecken.

Kontakt für weitere Informationen:

Präsident des litauischen Verbandes der Herrenhäuser und Burgen Gintaras Karosas, +370 698 30925, projektai@dvarai.lt, https://www.lietuvos.dvarai.lt/en/

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